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Die Wohlgesinnten: Anthroposophie, Waldorfpädagogik und biologisch-dynamische Landwirtschaft im Dialog mit der radikalen Rechten

15. Januar 2019 | 18:30 - 20:30

Nach dem Ersten Weltkrieg verkündete der Esoteriker und Lebensreformer Rudolf Steiner seine „Anthroposophie“: „Höheres Wissen“ über spirituelle Daseinsgründe von Mensch, Welt und All. Die praktischen Umsetzungen von Anthroposophie in Pädagogik (Waldorf), Medizin und Kosmetik (Weleda) oder Landwirtschaft (Demeter) sind heute beliebter denn je zuvor. Dieser Erfolg lässt sich nicht nur auf eine gründliche Institutionalisierungs-Struktur zurückführen, sondern auch auf die weltanschauliche Flexibilität der Anthroposophie. Steiner kann – tatsächlich nach Belieben – völkisch und individualistisch, braun und grün, liberal und autoritär gelesen werden. Immer aber zogen der organizistische, „ganzheitliche“ Charakter und der „Selbstverwaltungs-Impuls“ der Anthroposophie rechte Interessenten an, vom „Blut und Boden“-Ideologen Richard Walther Darré über den nationalökologischen Künstlerpropheten Joseph Beuys zu heutigen „Reichsbürgern“. Am Beispiel Anthroposophie lässt sich studieren, wie aus den „Höheren Welten“ stets nur der Zeitgeist spricht, wie Freiheitssuche in Autoritätsanspruch umschlagen kann und Menschenfreundlichkeit in Unmenschlichkeit.
Referent Ansgar Martins promoviert an der Uni Frankfurt am Main zur Philosophie Siegfried Kracauers und hat verschiedentlich zur Kritik an moderner Esoterik publiziert.

Details

Datum:
15. Januar 2019
Zeit:
18:30 - 20:30

Veranstaltungsort

große Aula
Nordbahnhofstraße 1a
Witzenhausen,